Die vielen Gesichter der Depression

Wer unter einer Depression leidet, ist nicht einfach nur von Traurigkeit erfasst worden, wie es im Allgemeinen heißt. Eine Depression geht viel, viel weiter. Im Grunde genommen besteht schon keine Traurigkeit mehr, sondern die Betroffenen sind nahezu unfähig, etwas zu fühlen. Sie erleben weder Glück noch Trauer. Gerade diese Tatsache, sowie die vielen unterschiedlich auftretenden Symptome bei einer Depression machen es uns sehr schwer, einen depressiven Menschen zu erkennen. Oft wird ihm auch mit Unverständnis begegnet, da er nicht krank aussieht, wird er mit aufmunternden Worten, wie „Du schaffst das schon“ bedacht. Auch etwas rigorosere Aussagen á la „Reiß dich zusammen!“ sind durchaus an der Tagesordnung. Zusätzlich fällt es den depressiven Menschen schwer, sich anderen mitzuteilen und wollen sie es doch tun, so werden sie oft abgewehrt.

Die Depression als solche bestimmt sich nicht an DEN typischen Merkmalen schlechthin, sie äußert sich in zahlreichen Symptomen, die auftreten können, aber nicht müssen. Auch die Intensität ist von Mensch zu Mensch verschieden. So fällt es selbst Ärzten nicht immer leicht, eine Depression zu erkennen. Dennoch sollen die wichtigsten Symptome der seelischen Ebene hier kurz dargestellt werden.

Tiefe Niedergeschlagenheit
Eine tiefe Niedergeschlagenheit breitet sich häufig aus. Aus dem Tal der Tränen scheint es keinen Ausweg mehr zu geben. Selbst die gut gemeinten Vorschläge der besten Freunde, einen Ausflug zu unternehmen, prallen ab. Nicht selten wandelt sich die Niedergeschlagenheit auch in aggressives Verhalten.

Gefühllosigkeit
Die Gefühllosigkeit ist ein häufig auftretendes Symptom der Depression. Wer unter einer Depression leidet, ist nicht einfach nur von Traurigkeit erfasst worden, sondern nahezu unfähig, etwas zu fühlen. Hier können die Betroffenen weder Freude, noch Trauer oder Liebe spüren. Nicht einmal die nächsten Angehörigen verbinden sie mehr mit Gefühlen. Weder Wut noch Angst, weder Freude noch andere Gefühlswahrnehmungen sind möglich. Betroffene fühlen sich gefangen im Käfig zwischenmenschliche Beziehungen, mit denen man müssen muss und legen ihre Gefühle auf Eis.

Angstzustände
Angstzustände sind sehr häufig mit einer Depression verbunden. Dabei lassen sich diese Angstgefühle nicht vor einem bestimmten Moment oder einer bestimmten Situation definieren. Die Ängste vor Tieren, vor Menschen, vor den alltäglichen Verpflichtungen, wie dem Einkaufen oder dem Bettenmachen, die Angst vor Versagen – all diese Ängste bestimmen das Leben. Oft kommen noch soziale Ängste hinzu, wie die Angst, den Partner zu verlieren, von anderen nicht geachtet zu werden oder abhängig zu sein. Ebenfalls kann eine Existenzangst mit der Depression einhergehen. Die gesamte Zukunft erscheint grau in grau, nicht mehr lebenswert, nicht mehr lohnenswert. Tag und Nacht der Betroffenen werden von diesen Angstzuständen bestimmt.

Genussunfähigkeit
Dieses Symptom einer Depression umschreibt den Zustand, in dem nichts mehr genossen werden kann. War früher ein gediegenes Abendessen im Restaurant der Garant für die Aufheiterung, gibt es dem Betroffenen nichts mehr. Gespräche mit Freunden, Ausflüge, das Malen oder Musizieren, lange Spaziergänge – nichts mehr bringt die gewünschte Aufmunterung.

Antriebslosigkeit und Lethargie
Bei diesem Symptom geht es darum, dass die bisher ausgeübten Hobbys nicht mehr wahrgenommen werden, dass jede Motivation verloren gegangen ist, dass selbst der kleinste Schritt vor die Tür schon schwer fällt. Der Betroffene erstarrt quasi in Todesangst, die Schrittfolge verlangsamt sich, die Sprache verlangsamt sich. Die Mediziner bezeichnen diesen Zustand als Stupor.

Innere Unruhe
Ein weiteres Symptom für die Depression ist die innere Unruhe. Diese äußert sich in einer übermäßigen Betriebsamkeit. So werden zahlreiche Aktivitäten begonnen, aber keine mehr vollendet. Es wird ständig auf- und abgelaufen oder die Unruhe äußert sich auf andere Art und Weise.

Kognitive Fähigkeiten werden beeinträchtigt
Depressive Personen denken oft nur noch an eines: Ihre Unfähigkeit, ihre Ängste, wie grau und wenig lebenswert das Leben, die Zukunft, die Partnerschaft erscheint. Auch in der Sprache drückt sich dies aus, frohe Worte kommen nicht mehr vor, die Sprache wird monoton und leise. Kleinste Aufgaben, wie das Zeitungen lesen fallen schwer. Vergesslichkeit ist eines der Hauptprobleme im Alltag.

Schuldgefühle
Schuldgefühle gehören ebenfalls zu den häufigsten Symptomen einer Depression. Depressive Menschen fühlen sich für alles schuldig, was in ihrer Umgebung passiert. Erkrankt ein Kind, suchen sie die Schuld bei sich, greift der Freund zu oft zur Flasche, fühlen sie sich schuldig. Jede noch so kleine Situation wird mehrfach überdacht und die Schuld daran bei sich selbst gesucht. Fehler werden nicht korrigiert oder verdrängt, sondern es wird sich in diese geflüchtet. Ebenfalls werden Selbstvorwürfe an der Tagesordnung sein, wenn der Depressive nicht zu 150 Prozent funktioniert hat.

Depressiver Wahn
Wenn die Schuldgefühle immer weiter gehen, bildet sich nicht selten ein depressiver Wahn. Die Betroffenen fühlen sich dann schuldig am Weltgeschehen, sie fühlen sich verantwortlich für Armut und Hungersnöte, für Kriege und Naturkatastrophen. Nicht verwechselt werden darf der depressive Wahn allerdings mit den Wahnvorstellungen der Schizophrenie oder anderer psychischer Erkrankungen.

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