Rituale

In der Moderne werden Rituale häufig nur noch als entfremdete Routinehandlungen betrachtet, gelten teilweise sogar als "verstaubt" und einengend. Doch dieser Ansicht setzen Paare nach ersten Studienergebnissen, eine beachtliche Phantasie in der Entwicklung paareigener Ritualzeremonien entgegen (Kraft-Alsop, 1996). Da Rituale als eine Form des Dialogs, d.h. als Kommunikationsmittel zu begreifen sind, lässt sich davon ausgehen, dass durch die Entwicklung passender gemeinsamer Rituale der Anteil an positivem Austausch und die Zufriedenheit in Paarbeziehungen steigen. Um die wachsenden Widersprüchlichkeiten zwischen den Arbeitsmarktrealitäten (Unabhängigkeit und Flexibilität) und Ansprüchen an Partnerschaft (Beständigkeit und Gleichberechtigung) gemeinsam zu vereinen und zu bewältigen und so eine Verbesserung der Lebensqualität und des Wohlbefindens zu erreichen, ist es nicht nur notwendig, dass die Partner den Dialog in ihrer Beziehung fördern. Es ist vor allem wichtig, sich als Paar neue Handlungsmöglichkeiten jenseits der gewohnten Wahrnehmung von Alltag zu eröffnen, die Verbundenheit und Zusammenhalt stärken. Rituale können demzufolge auch ein wesentliches Mittel der Beziehungsgestaltung sein, das von hoher Bedeutung für die gemeinsame Entwicklung von Paaren ist.

Rituale entstehen im Verlauf des Zusammenlebens aufgrund bestimmter, aber auch zufälliger Ereignisse oder sich im Alltag entwickelnder Handlungsmuster. Diese empfindet das Paar als so angenehm, dass sie regelmäßig oder unregelmäßig wiederholt werden.

Es handelt sich bei Ritualen um vom Paar gemeinsam entwickelte symbolische Handlungen. Symbolisch, weil sie als "Sinnbilder" aufgefasst werden können, die entscheidende hintergründige Bedeutungen besitzen. Sie können daher dem anderen über die sichtbare Handlung hinaus etwas zu verstehen geben. Dabei sind auch jene Rituale eingeschlossen, die sowohl täglich wiederholt als auch einmalig ausgeführt werden. Folglich können auch einmalige, spontane Inszenierungen und kleinere Feiern eines Ereignisses (z.B. die berufliche Beförderung eines Partners oder ein positiver Schwangerschaftstest) für die Partner Rituale darstellen. Entscheidend ist letztendlich, was das Paar mit den gemeinsamen Handlungen für sich hervorhebt sowie der Ablauf der Ausführung. (Auszug aus dem Familienhandbuch des Staatsinstituts für Frühpädagogik, Anke Birnbaum)